Mainz-Wiesbaden

Bachelor/Master

Laut Hochschulrektorenkonferenz beginnen knapp drei Viertel der Studienanfänger ein Studium mit dem Bachelor als Abschluss, und fast 80% alle Studienangebote in Deutschland funktionieren inzwischen nach dem Bachelor-Master-System. Ausnahmen sind in erster Linie Kunst und Musik, Medizin und Rechtswissenschaft sowie in einigen Bundesländern das Lehramt.

Bachelorstudiengänge dauern meist sechs oder sieben Semester. Die Studenten erwerben entweder einen Bachelor of Arts, der nach einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studium verliehen wird, oder einen Bachelor of Science für einen Abschluss in Natur- oder Ingenieurwissenschaften. In den Naturwissenschaften studiert man in der Regel ein einzelnes Fach; in den Geistes- und Sozialwissenschaften und beim Lehramt bieten die Hochschulen häufig Bachelor aus einem Haupt- und ein bis zwei Nebenfächern oder aus zwei gleichberechtigten Fächern an.

Module und Veranstaltungsformen

Das Studium ist in Module unterteilt. Ein Modul behandelt über ein oder zwei Semester ein übergeordnetes Thema in verschiedenen Veranstaltungen. Am Ende müssen die Studenten in der Modulprüfung ihr Wissen unter Beweis stellen.

Vorlesungen geben meins einen Überblick über ein Thema – ein Professor steht vorne und redet, die Studenten schreiben mit. Die Seminare, die von wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Professoren gehalten werden, vertiefen den Stoff. Hier sollen die Studenten selbständig wissenschaftlich arbeiten: Alle Teilnehmer lesen sich zur Vorbereitung in die Literatur zum Thema ein, während meist einer oder eine Gruppe ein Referat vorbereitet, über das dann in der Runde diskutiert wird.

Seminare sind die gängige Veranstaltungsform in den Sozial- und Geisteswissenschaften. In Jura und in den Wirtschaftswissenschaften dominieren Vorlesungen, die von Übungen begleitet werden. In Übungen werden meist einige Themen oder Problemstellungen anschaulich und praxisnah gemeinsam erarbeitet. In Tutorien werden Seminare oder Vorlesungen nachbereitet, man lernt schwierigen Stoff gemeinsam und übt wissenschaftliche Arbeitstechniken – betreut von Studenten höherer Semester. In Laborpraktika experimentieren Studenten naturwissenschaftlicher Fächer in Kleingruppen. Sein Wissen anwenden kann man in praxisnahen Projekten. In den meisten Studiengängen sind außerdem Kurse Pflicht, in denen berufsbezogene Qualifikationen vermittelt werden: Die Studenten lernen dort etwa, wie man sich für ein Praktikum bewirbt oder welche Berufsfelder für Geisteswissenschaftler infrage kommen.

Für Vorlesungen braucht man sich in der Regel nicht anzumelden, für kleinere Kursformen hingegen muss man sich wegen der begrenzten Teilnehmerzahl oft vor Semesterbegi

Credit Points und Noten

Credit Points stehen für den Arbeitsaufwand, den eine Studieneinheit mit Vor- und Nachbereitung erfordert. Ein Credit Point (CP) oder Leistungspunkt (LP) soll laut Hochschulrektorenkonferenz 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand entsprechen. Die Menge der CPs, die pro Modul vergeben werden, ist je nach Zahl der Veranstaltungen, Lernstoff und Lektüreumfang ganz unterschiedlich. Pro Semiester sammelt man rund 30 Credit Points – bei einem sechssemestrigen Bachelor macht das insg. 180 CPs. Dahinter stecken 900 Stunden Arbeit pro Semester und 5 400 Stunden bis zum Abschluss.

Darüber hinaus werden wie in der Schule auch im Studium die Leistungen bewertet – je nach Fach und Thema in Klausuren, Seminararbeiten, schriftlichen oder mündlichen Prüfungen und in Projektarbeiten. Es werden Noten zw. 1 und 5 vergeben; alles, was schlechter als 4,0 ist, gilt als nicht bestanden. Die Ergebnisse aus sämtlichen Modulen und der Bachelorarbeit werden zu einer Gesamtnote verrechnet, die später auf dem Abschlusszeugnis steht.

Die Noten werden entsprechend dem Workload eines Moduls gewichtet, die in einem Modul mit vielen Credit Points wiegen als schwerer. Neben der absoluten Note gibt es eine relative Notenskala von A bis E nach ECTS, dem European Credit Transfer and Accumulation System. Ein A bekommen nur die besten zehn Prozent der Studenten, ein E die schwächsten zehn Prozent. Noten und Credit Points nach ECTS sollen Leistungen europaweit vergleichbar machen und den Wechsel an andere Hochschulen erleichtern.

Stundenplan

Der Stundenplan sollte nicht mehr als 15 bis 20 Semesterwochenstunden (SWS) umfassen – damit sind die Stunden gemeint, die ein Student pro Woche tatsächlich in Lehrveranstaltungen verbringt. Laut einem Rechenbeispiel der Universität Bochum kommen Studenten insg. auf eine 40-Stunden-Woche bei 46 Arbeitswochen pro Jahr.

Den Stundenplan bastelt sich jeder aus Modulen zusammen: Pflichtmodule sind vorgeschrieben, bei Wahlpflichtmodulen sucht man sich aus mehreren vorgegebenen Angeboten eines aus. Reine Wahlmodule können meist frei nach persönlichem Interesse zusammengestellt werden – oft auch aus dem Programm anderer Fakultäten.

Zu jedem Modul gehören unterschiedliche Veranstaltungen, aus denen jeder Student selbst seinen Stundenplan bastelt. Das geht mithilfe der Prüfungsordnung, der Studienordnung und des Vorlesungsverzeichnisses. In der Prüfungsordnung steht, wie viele Credit Points und welche Leistungsnachweise vorgeschrieben sind, in der Studienordnung oder dem Modulhandbuch, welche Veranstaltungen wann belegt werden sollten. Aus dem Vorlesungsverzeichnis sucht man sich die heraus, die im aktuellen Semester angeboten werden. Manche gibt es zu mehreren Terminen, sodass man sie nach eigenen Vorlieben in den Stundenplan einbauen kann.

Sitzenbleiben?

Wer durch Prüfungen fällt oder zu oft nicht da ist, dem wird das Modul nicht angerechnet, und die entsprechenden Credit Points fehlen ihm. Wie es dann weitergeht, regelt jede Hochschule anders: In manchen Studiengängen können verpatzte Teilprüfungen über gute Noten in anderen Prüfungen ausgeglichen werden, sodass dann am Ende eine 4,0 in der Modulnote ausreicht. In anderen muss man die Prüfung wiederholen – ein bis zwei Versuche bleiben, um endgültig zu bestehen. Es kann jedoch auch sein, dass man den Kurs noch einmal besuchen muss und das Modul so lange als nicht belegt gilt. Im schlimmsten Fall wird der Kurs nur entweder im Sommer- oder im Wintersemester angeboten; weil manche Module aufeinander aufbauen, verlieren die Studenten dann ein Jahr.

Die Regelstudienzeit (RSZ) von meist sechs oder sieben Semestern ist eine Orientierungsgröße und eine Verlängerung des Studiums ohne rechtliche Konsequenzen möglich. Allerdings kann ein längeres Studium finanziell Schwierigkeiten machen, weil das Bafög am Ende der RSZ ausläuft oder Langzeit-Studiengebühren anfallen.

Hochschulorganisation

Hochschulen sind komplexe Gebilde mit mehreren Untereinheiten: Fakultäten, Fachbereichen, Instituten, Lehrstühlen und noch einigem mehr. Die Fakultät ist eine übergeordnete Einheit. An manchen Hochschulen heißen die Fakultäten Fachbereiche, an anderen sind die Fachbereiche eine Zwischenstufe zw. Fakultäten und der nächsten Verwaltungsebene, den Instituten oder Seminaren (neudeutsch: Departments). Die Institute setzen sich aus verschiedenen Lehrstühlen zusammen, an deren Spitze jeweils ein Professor steht.

Quelle

Sabrina Ebitsch in:
Zeit Studienführer 2018
kompiliert von:
Aleksej Golowerda